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Und wo ich gerade hier bin: Ab Februar bin ich zum ersten Mal seit 12 Jahren kein Senator mehr bei Lufthansa. Gestern kam meine Frequent Traveller-Karte. Das ist die Stufe drunter.
Das macht mich etwas melancholisch.
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Da sieht man mal wieder, was dies für ein konfuser Planet ist! |
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Zitat:
By the way: Kennen Sie Prag? Ich dachte, ich hätte es gekannt. Und mir vor 10 Jahren geschworen, dort nie wieder eine Veranstaltung zu platzieren. Aber manchmal, da halten sich die Kunden einfach nicht an meine mit mir geschlossenen Abmachungen - und so war ich zu Beginn der Woche genötigt, wieder einmal nach Prag zu fliegen. Und bin ziemlich positiv überrascht wieder nach Hause gekommen! Eine, selbst in der Kriesenzeit und bei schlechtem Wetter, äußerst lebendige und gutgelaunte Stadt hat sich da gezeigt. Der Mief des Sozialismus ist gänzlich verschwunden, jede Menge schöner Frauen auf den Straßen (nein, nein, nicht die billigen Blondinen mit viel zu grellem Lippenstift), hinter den schönen Stadtkulissen verbirgt sich eine kreative und junge Szene mit viel Feinsinn für guten Stil und Geschmack. Ein neues Hotel hat eröffnet (also im Mai 09) - The Augustine, entstanden in einem ehemaligen Augustiner Kloster, designed im Neokubistischen Prager Stil. Ich wußte zwar nicht, was das ist, aber es hat mir gefallen. Ich liebe es, wenn klassisch italiensiches Edeldisign auf Historie trifft. Die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, waren durchweg sympathisch und offen, sehr herzlich und selbstbewußt. Ein wirklich schöner Tag. Ich will da unbedingt wieder hin. |
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Noch 30 Stunden bis zum Abflug. Und wieder sind wir weit davon entfernt, reisefertig zu sein. Diesmal aber aus ganz anderen Gründen, als vor 10 Tagen.
Nicht der Alltag sondern vielmehr die totale Ausszeit hat uns derart fest im Griff, dass wir nicht einen Tag an die Herausforderungen gedacht haben, die in den kommenden Wochen vor uns liegen. Vor 21 Jahren war ich das letzte Mal in Ägypten. Mindestens 25 Jahre liegt meine letzte Nilkreuzfahrt zurück. Viel hat sich hier verändert. Ganz bestimmt. Aber an den Ufern des Nils scheint die Zeit stillgestanden zu sein. Wie seit vielen tausend Jahren. Ganz charmant und behutsam hat uns die Landschaft aus unserem Terminwahnsinn herausgezogen, eingeladen in die Farbenpracht und ein wunderschönes beschauliches wie exotisches Leben einzutauchen, alle Sinne zu öffnen, zu staunen und zu genießen. Die ersten beiden Tage haben wir in Cairo verbracht. Eine meine absoluten Lieblingsstädte der Welt: Laut und chaotisch, immer kurz vor dem Kollaps mit seinen mehr als 20 Mio Einwohnern und so wunderbar durchzogen mit seinen fremden Gerüchen, leicht diesig verhangenen Farben und dem wunderschönen Ruf der Muezzin. Jedesmal läuft mir ein Schauer über den Rücken, wenn der Gebetsruf wie eine Welle an kehligen Klängen über die Stadt zieht, in Schallgeschwindigkeit die zigtausend Minarette leicht verzögert anklingen und nach wenigen Minuten schlagartig verstummen. Dann scheint der Puls der Stadt für kurze Zeit um ein paar Schläge verlangsamt, um nach dem Gebet um so kräftiger wieder zu schlagen. Das hat sich verändert: Vor 20 Jahren stand die Stadt zum Gebet still. Heute wird sie nur für ein Gebet ein wenig ruhiger. Wie mit Ritalin gefüttert. Wenn die Wirkung nachläßt, schwillt das Chaos wieder an. Abendstimmung auf dem Nil a.jpg (Ankunft am Nil) Morgenstimmung auf dem Nil a.jpg (Aufwachen am Nil) |
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„Ahlan wa sahlan“ - Willkommen in Ägypten
Es sind schon wieder einige Tage vergangen - aber die Reise klingt noch immer nach bei uns. Durch die Bilder, die sich in unseren Erinnerungen eingeprägt haben, durch die Gespräche. Und letztendlich durch die Erkenntnis und das Gefühl, die ich immer wieder erlange, wenn ich in arabische Länder reise, dass der Islam sich hier in Deutschland durch seine Vertreter sehr viel radikaler darstellt, als in den Heimatländern der Fundis selbst. Denn dort sind die Radikalen noch immer in der Minderheit und fallen nicht so stark auf. Nicht zwischen den vielen ganz normalen, sehr freundlichen und offenen Ägyptern, die wir getroffen haben. Die die Radikalisierung des Islam in ihrem eigenen Land mindestens genauso mit Magenschmerzen betrachten, wie wir. Es war einfach gut, genau das wieder in Erinnerung gerufen zu bekommen. Zurück zur Reise: Die ersten beiden Tage haben wir in Kairo verbracht - und sind natürlich erst einmal nach Gizeh zu den Pyrmaiden gefahren. Viel hat sich hier in den letzten 20 Jahren verändert - die Vorstädte Kairos haben sich soweit ausgedehnt, dass sie nun wenige hundert Meter vor den Pyramiden angekommen sind. In ein paar Jahren werden die Giganten vielleicht mitten in der Stadt stehen... Kairo3.jpg Kairo1.jpg Kairo8.jpg |
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Natürlich durfte ein Besuch des Ägyptischen Museums ebenso wenig fehlen, wie ein Abstecher zur Mohammed Ali Moschee (wir waren schließlich nicht zum Ausruhen hier...)
Kairo2.jpg Die Altstadt von Kairo hat sich für mich ebenso wenig verändert, wie der Khal-el-Khalili - Bazaar (ich gestehe, ich liebe diese Märkte und es ist mir tausend mal egal, ob sie touristisch sind oder nicht. Immer wieder faszinieren mich Momentaufnahmen aus dieser geballten exotischen Atmosphäre zwischen all dem Ramsch, der hier feil geboten wird): Kairo4.jpg Kairo5.jpg |
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Zielsetzung für mich bei dieser Reise war es, komplett manuell zu fotografieren und auch den Blitz wegzulassen - aus übungstechnischen Gründen. Was mich ganz schon hat wirbeln lassen, da sich in einer so quirligen Stadt mit über 25 Mio Einwohnern Momente sehr schwer festhalten lassen und das Licht sich am Tag in sekundenschnelle dramatisch verändert. So zeige ich hier denn auch so manch nicht optimal scharfes oder ausgeleuchtetes Bild, was mir aber trotzdem am Herzen liegt, weil es Stimmungen zeigt, die mich gefesselt haben:
Kairo6.jpg Kairo7.jpg |
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Dienstag / Mittwoch:
Es geht weiter von Kaiso nach Assuan - und wir werden an Bord der Zahra schon erwartet: Assuan1.jpg (Einer der vielflätigen Reiherarten...) Assuan2.jpg (.. und Kingfisher-Trio) |
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Philae – die Insel wird vom Isis-Tempel beherrscht, der sich ursprünglich auf einer Insel befand, die in den Fluten eines Assuan-Staudamm-Zwischenbeckens unterging. Im Rahmen einer Rettungsaktion wurde der Tempel 1979 zersägt und originalgetreu auf der Agilkia-Insel wieder aufgebaut.
Philae1.jpg Isis, die Mächtige, die Schützerin ihres Bruders, die ihn suchte ohne zu ermüden, die dieses Land durchlief in Trauer und nicht ruhte, bis sie ihn gefunden hatte; die Schatten spendete mit ihren Federn und Lufthauch schuf mit ihren Flügeln. (Aus einem Osirishymnus) Philae2.jpg |
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Der Unvollendete Obelisk liegt in den nördlichen Steinbrüchen Assuans. Das Pech eines Steinmetzes aus der Antike beschert uns heute im Steinbruch der Pharaonen diese Attraktion - den nur halb aus dem Fels geschlagenen 42m hohen und etwa 1.200t schweren Osiris-Obelisk. (Eine wunderbare Sonnenplattform...)
Obelsik1.jpg Assuan hat sich im Gegensatz zu Kairo dramatisch verändert - die Stadt hat sich in den letzten 20 Jahren vervierfacht, überall wurde und wird gebaut - wenn es sein muss, mitten in die Naturschutzgebiete. Und so werden die Abschnitte dieser schönen Kulisse täglich kleiner: Naturschutz1.jpg Naturschutz2.jpg |
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(A lot of birds in the Naturschutzgebiet....)
Naturschutz3.jpg Naturschutz4.jpg ... und andere lustige Vögel! Naturschutz5.jpg |
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Die Eule und ich - wir haben uns ja vor über 20 Jahren hier in Assuan auf einer Nubierinsel - Soheli Island - auf einer Veranstaltung kennen gelernt. Hier, mitten im Nil ist sozusagen der Ursprung unserer gemeinsamen Geschichte. Damals - da gab es auf der Insel nichts außer einem kleinen Nubierdorf und Sand. Damals, da mussten wir Generatoren, Toiletten - alles - wirklich alles auf kleien Felukken auf die Insel schaffen, um H. Owens (Traumtheater Salome) 40. Geburtstag mit seinen Künstlern und unseren Kunden zu feiern.
Über die vielen Souvenirgeschäfte, die heute hier stehen, Restaurants und Armeen von Touristen, schauen wir großzügig hinweg und nehmen unsere Geschichte mit diesen Impressionen mit nach Hause: Soheli1.jpg Soheli2.jpg Soheli3.jpg |
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Donnerstag
Die Zahra legt ab in Assuan und nimmt Fahrt in Richtung Kom Ombo auf: Nil1.jpg „Kom Ombo“ bedeutet „Goldhügel“ und deutet damit schon an, dass es sich um einen reichen Kult- und Siedlungsplatz gehandelt haben muss. Komombo1.jpg Zwei Götterfamilien haben sich in Kom Ombo zu einer Tempel-Wohngemeinschaft zusammengefunden: Haroëris ist eine Erscheinungsform des Falkengottes Horus. Gemeinsam mit seiner Göttergattin Ta-senet-Nofret (die schöne Schwester) und dem Kind Pa-neb-Taui (der Herrscher beider Länder) bewohnte er eine Hälfte des Tempels. Der krokodilsgestaltige Gott Sobek mit seiner Familie herrschte in der zweiten Hälfte. Lassen Sie sich nicht davon verwirren, dass Sobek mit Hathor als Gemahlin auftritt, die sonst als Frau des Horus vorgestellt wird. Die alten Götter scheuten nicht vor einem Partnertausch zurück... Komombo5.jpg |
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Horus-Tempel von Edfu - der besterhaltenen Tempel des Landes. Horus, der Gott in
Falkengestalt und Sohn des Osiris, bewacht als Granitskulptur den Tempel im Eingangsbereich. Edfu3.jpg Habt Ehrfurcht vor Horus Behedeti, dem großen Gott und Herrn des Himmels, dem Buntgefiederten, der aus dem Horizont kommt. (Inschrift am Tor des heiligen Bezirks) Edfu1.jpg Erfurcht hat mich dann aber erst ergriffen, als wir gesehen haben, mit welchen Mitteln die Tempel heute - wie vor 3.000 Jahren - erhalten werden: Edfu2.jpg |
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Ein kurzer Ausflug zu den "Mitteln", die für die Kulturgüter Ägyptens eingesetzt werden - bzw. deren Herkunft.
Im Tal der Könige haben wir eine Slowakische Ägyptologin getroffen, die mit ihrem Team an einer neuen Ausgrabungsstätte arbeitet. Wir wollten mit ihr Kontakt aufnehmen um sie evtl. als Referentin für unsere Gäste zu gewinnen. Ihr war das alles egal - sie wollte nur wissen, wie hoch die "Donation" sein wird. Und so erfuhren wir: Es gibt in Ägypten zahlreiche ausländische Ausgrabungs-Teams, die eine Grabungsgenehmigung vom ägyptischen Staat bekommen, aber kein Geld. Weder für die Grabungen, noch für die Erhaltung der Fundstücke, noch dafür, diese publikumswirksam auszustellen. Diese Teams finanzieren sich ausschließlich über Spenden oder Entwicklungshilfe-Gelder ihrer eigenen Länder (Deutschland ist auch ganz kräftig dabei). Wenn die Arbeit getan ist und die neuen Funde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden können (sprich es wird Eintritt verlangt) - dann aber kümmert sich Ägypten selbst darum. Ein äußerst cleveres Konzept. Welches aber nur für die ausländischen Grabungs-Teams gilt, nicht für die ägyptischen Ägyptologen. Da z.B. Philae-Tempel zu großen Teilen von Deutschland finanziert wurde war ich kurz versucht dem Mann am Kassenhäuschen zu sagen, ich hätte schon bezahlt... |
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... hab ich dann aber gelassen. Wegen meiner äußerst schlechten Erfahrungen mit staatlichen Autoritäten...
Statt dessen haben wir uns an den abendlich wechselnden Frottee-Kunstwerken unseres Kabinenservices erfreut - hier nur ein paar Beispiele: Schiff1.jpg Schiff2.jpg Schiff3.jpg (Je näher das Ende der Reise rückte, desto mehr Aufwand wurde zu unserer Erheiterung betrieben. Was wir dann auch wunschgemäß honoriert haben). |
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Samstag
Ein neuer Morgen - und die Fahrt geht weiter nach Luxor. Ich habe die frühen Morgenstunden geliebt auf dieser Reise, an Deck oder einfach am offenen Fenster unserer Kabine sitzen und die Landschaften langsam vorbeiziehen lassen. Das Farb- und Lichterspiel beobachten, nichts tun (außer mit den Einstellungen der Kamera kämpfen) und nur still dasitzen. Ich habe es wirklich geliebt... Nil5.jpg Nil6.jpg Nil7.jpg |
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Nil14.jpg
Nil15.jpg Die Stahlstribbelchen, die aus den Dächern der Häuser immer etwas unordentlich herausragen, zeigen ganz im Gegenteil einen straff geordneten Lebensplan: Das Untergeschoss wird gebaut mit der Option, für den ersten Sohn, der geboren wird, ein zweites Geschoss darauf zu setzen. Welches wiederum Stahlstribbelchen auf dem Dach herausragen hat - für den zweiten Sohn, der geboren wird. Und so wachsen die Häuser mit der Fruchtbarkeit der Familie: Nil16.jpg |
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Karnak1.jpg
Dutzende Herrscher bauten über 13 Jahrhunderte lang an Karnak-Tempel, und veränderten die Anlage ständig. Bis heute ist es den Archäologen nicht gelungen, alle ihre Rätsel zu entschlüsseln. Karnak2.jpg Berühmt ist vor allem der kolossale Säulenwald zu beiden Seiten des Mittelgangs, erbaut von Ramses I., vollendet von Ramses II. Karnak3.jpg |
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Sonntag
Jahrhunderte lang hatten die Theologen am Nil sich Gedanken gemacht über das Leben nach dem Tod und ihre geheimen Erkenntnisse zusammengefasst. Im „Pfortenbuch“ wird die Unterwelt in zwölf Bereiche gegliedert und die nächtliche Fahrt der Sonne geschildert. Die Barke des Sonnengottes Amun Ra, der Nachts im Widderkopf erscheint, gleitet immer tiefer hinab in die Unterwelt. Zahlreiche Schlangen mit Flügeln, Beinen und Menschenköpfen bewachen seinen Weg. Einer der gefährlichsten Momente wird in der siebten Stunde um Mitternacht erreicht: Eine riesige Schlange Apophis ist das Sinnbild der zerstörerischen und lebensfeindlichen Mächte. Sie lauert in den Tiefen des Jenseits, um die Weiterfahrt der Sonne und damit den neuen Tag und das Leben zu verhindern. Jede Nacht aufs Neue müssen die Götter all ihre Zaubermacht einsetzen, um Apophis in Bann zu schlagen. Isis und Seth sind es, die mit ihrer Macht und Kraft das Ende der Welt verhindern. Willkommen auf der Reise durch die Unterwelt – willkommen im berühmten Tal der Könige: Fotografieren verboten! Und damit dieses Verbot eingehalten wird, war auch überall Polizei vertreten: Tempelwächter.jpg |
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