![]() |
|
||||
|
Travellers worldwide
Archiv in den alten Zonen von SpheX.
Die Sphex-Lounge für Traveller. Szenen in den Wartehallen der Flughäfen, Bahnhöfe oder Häfen: Menschen mit Zeitungen, im Gespräch vertieft oder einfach beobachtend bei einem Kaffee. Sie steigen um, ein oder aus. Was haben diese vielen Menschen erlebt und was erwartet sie in dem fremden Land? Jeder kommt mit seiner eigenen Geschichte nach Hause zurück. Wartehallen - ein Raum voll von nicht erzählten Erlebnissen und zurückgehaltenen Informationen. Die Sphex-Lounge für Traveller ist ein Informationsraum für Reisegeschichten. Sie haben den Sphinx links liegen lassen und eine wunderschöne Oase für ein Picknick gefunden? Haben in Deutschland eine staufreie Autobahn entdeckt? Sie raten dringend ab von einem verlängerten Wochenende in Australien? Sie möchten gerne Urlaub machen - und suchen ein paar Anregungen? Fragen, Tips - und natürlich Reiseerlebnisse, die Sie beeindruckt haben sind hier gefragt: In der Sphex-Lounge des WWW. Jasmin |
|
||||
|
Rein philosophisch betrachtet, also begrenzt auf einen eigenständigen Raum mit besonderen Randbedingungen, können durchaus 2 parallele Welten gleichzeitig existieren. Und da ist es nur logisch, dass auch Australien und Amerika doppelt auftauchen.
Seltsam ist die einfache Existenz von Europa. Könnte aber damit zusammenhängen, dass genau hier unser Beobachtungsposten liegt. Oder ich nehm einfach noch einen Schluck. |
|
||||
|
Ich reise jetzt gleich von Stuttgart-Moehringen nach Stuttgart-Plieningen. 4,6 km. Also von Arbeit nach Zuhause. Erwartete Reisedauer:
1 Minute zum Stempelautomaten 5 Minuten mit irgendwem quatschen, der auch gerade heimwill 3 Minuten zum Auto 1 Minute entscheiden, welche Musik laufen soll und auflegen 7 Minuten Fahrzeit 1 Minute einparken und aussteigen und zur Haustür gehen. 1 Minute Familie abknutschen und Bierflasche aufmachen. Diese Reise mache ich öfter! (Falls das alles irgendwen interessiert.) |
|
||||
|
Happy Thanksgiving
Oder: Neulich in New York. Es ist nämlich so, daß ich mit dem deutschen Erntedankfest nie so richtig was anfangen konnte, zumindest verbinde ich damit keine wie auch immer gearteten Kindheitserinnerungen. Und so sehe ich mit einer gewissen Mischung aus Befremdlichkeit und Neid auf die strahlenden Augen meiner Kinder, wenn sie selbstgebackene Brote und –geerntetes Obst (Waldorfschule, jaja) zum Erntefest tragen. Ich bin nunmal ein Kind der Siebziger, und das einzige Brot, das jemals den heimischen Ofen verlassen hatte, entstammte einer Dr. Oetker Backmischung. Ein Schulfreund behauptete mal in der fünften (!) Klasse, daß die Menschen irgendwann das Wissen über das Brotbacken verlieren würden und die Industrie die Herrschaft der Welt übernähme – was aus dem wohl geworden sein mag?!
Das amerikanische Thanksgiving, oder zumindest das, was ich in New York davon mitbekam, ... nunja, something different. Da reiste ich also Ende November vor drei Jahren nach New York und geriet mehr zufällig in die Thanksgiving Feierlichkeiten. Diese Reise war so gar nicht geplant, genauso wenig wie die Tatsache, daß ein schwuler Kollege mich letztlich dorthin begleitete – dafür war es aus vielerlei Gründen meine bisher schönste. Wir landeten also meiner Erinnerung nach an einem Mittwochabend in New York, und außer einem Gute-Nacht-Trunk hielt uns nichts mehr wach; wir hatten ja noch den nächsten Tag! Genau, und da wollte mein Kollege, nennen wir ihn Holly, erstmal shoppen (Frauen und Schwule sind extrem kompatibel in dieser Hinsicht). Wie verwundert waren wir aber, als am nächsten Vormittag alle Kaufhäuser geschlossen hatten, wegen – Thanksgiving. Hhmm, Holly fand das cool und wollte zum großen Thanksgiving-Umzug. Das ist auch so eine Sache – die New Yorker nehmen selbst den kleinsten Anlaß für einen wahnsinnig aufwendigen Straßenumzug mit Verkleidung und Musik und Trallalla. Also rein in die U-Bahn und wieder raus und achherrjeh – wir waren offenbar mittendrin, die gegenüberliegende Straßenseite war mit einer Riesentribüne ausgestattet und an den Absperrgittern vor uns drängelten sich schon ein paar Leute. Die Tribüne, so erfuhren wir später, war nur für geladene Gäste mit kostenpflichtigem Eintritts-Pass. Den wir natürlich nicht hatten. Ich seufzte und wollte zurück in die U-Bahn, um irgendwo endlich den ersten Kaffee des Tages zu nehmen. Holly aber war schwer begeistert und wollte un-be-dingt was sehen. Wir liefen also die Absperrung ein wenig entlang, und an der nächsten Straßenecke kam uns ein Typ entgegen auf so einer Art ... nun, es sah am ehesten aus wie ein Sitzmäher, war aber natürlich keiner. Hier war ja nichts zu mähen, wir waren mitten in Manhattan. Er muß Hollys sehnsüchtigen Blick gesehen haben, auf jeden Fall kam er zu uns, fragte, ob wir dabei sein wollten. Natürlich wollte Holly. Er öffnete die Absperrung, zwinkerte uns zu und rief seinen Kollegen irgendwas zu, das ich nicht verstand. Er muß so etwas wie der Ober-Sitzmäher gewesen sein, auf jeden Fall durften wir ungehindert passieren und in der ersten Reihe der Tribüne Platz nehmen. Und dann kamen sie auch schon, bei strömendem Regen. Was für ein Aufwand! Auf meinen Urlaubsfotos sind irgendwo auch noch N’Sync drauf – die waren auf einem der Umzugswagen. Holly war sehr glücklich. Am Abend dann wollten wir essen gehen – ich war bereits zweimal in New York und erinnerte mich an einen sehr schönen Sushi-Mann (also kein schöner Mann, ein schönes Restaurant) in Greenwich Village. Das Village war natürlich für Holly aus verschiedenen Gründen nicht uninteressant als Anlaufstelle ... wie wir aber feststellen mussten, hatte der schöne Sushi-Mann zu. Wir liefen also ziellos weiter. In eigentlich allen Restaurants, an denen wir vorbeiliefen, sah es irgendwie nach geschlossener Gesellschaft aus. Große Tische, an denen fröhliche Menschen aßen. Hhmm, es regnete wieder und ich war müde und hungrig. Ein Restaurant dann endlich hatte die Tür geöffnet; allerdings wies eine Tafel am Eingang darauf hin, daß man heute dort nur ein Thanksgiving-Menue essen könne. Für eine Stange Geld. Allerdings war der Wein inklusive, was bei mir dann doch immer wieder günstiger ist. Holly ließ sich überreden reinzugehen. Wir nahmen an einem der wenigen kleinen Tische Platz; vornehmlich gab es längere Tische mit größeren Gesellschaften. Bei einem wirklich fantastischen Essen beobachtete ich hin und wieder den nahegelegenen längeren Tisch. Offenbar handelte es sich um eine Familie inklusive ein paar Freunden. Oder viele Familien. Auf jeden Fall mehrere Generationen: Omi, Opi, Eltern, Freunde, Kinder. Auch ein schwules Pärchen, also für jeden was dabei. Zwischen den Gängen erhob sich ein Mann, den ich für den Vater des Großteils der Kinder hielt, erhob sein Glas und sagte: „Happy Thanksgiving!“. In diesem Moment wurde es ganz still. Alle, auch an den Nachbartischen, erhoben ihre Gläser und prosteten einander zu. Das hatte nichts mehr mit dem lauten, bunten Umzug des Vormittages gemein. Es ging auch nicht nur um das (wirklich köstliche!) Essen. Es sah mehr so aus, als wäre man froh, daß man einander hatte. Und diesen Tag mit aus verschiedenen Gründen besonderen Menschen verbringen konnte. Zugegebenermaßen hat mich dieser Moment sehr gerührt. Letztes Thanksgiving, also nach 09/11, verbrachten die meisten New Yorker übrigens zu Hause, wie ich hörte. Aus Angst, verständlicherweise. Und sicherlich war die Dankbarkeit über die Menschen, die man dann noch um sich hatte, auch ein wenig anders gelagert. Aber das ist wohl eine ganz andere Geschichte. |
|
Geändert von Coma (31. Okt. 2002 um 09:03 Uhr)
|
|
|
|
|
| Themen-Optionen | |
|
|
| Area | Gründer | Subzone | Antworten | Letzter Beitrag |
| Travellers regional: Deutschland | SpheX | Travellers Lounge | 45 | 24. Mai. 2009 12:59 |
|
|
![]() |