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Der Ausgrabungsleiter kennt unseren Sohn. Und unser Sohn hat ihn selbst gefragt und sich beworben. Die beiden können gut miteinander. Und er ist der Meinung, der Kerl ist reif genug, das durchzuziehen. Es ging eigentlich nur noch darum, wann ein gemeinsamer Zeitraum gefunden werden kann und wann Niglo gut genug Englisch kann.
Kennengelernt haben die beiden sich, als unser Sohn mit meiner Mutter zusammen auf einer Vorreise in Angkor Wat war für eine Veranstaltung vor 5 Jahren. Der Kerl darf immer mal wieder mit, von Klein auf. Weil wir einfach wollten, dass er auch etwas Positives aus unserem zeitraubeneden Job mitnehmen kann, außer das wir streckenweise im Jahr kaum zu Hause sind oder dann nur im Büro sitzen. |
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Ich finde das großartig.
Angkor Wat habe ich vor 28 Jahren zum ersten Mal auf einer Postkarte gesehen. In Quedlinburg, wo ich studierte (Lehrerin für die Unterstufe), gab es auch eine Krankenpflegeschule, dort lernte auch ein Kambodschaner, mit dem ich ab und an ausging. Damals war Kambodscha von Vietnam besetzt, deshalb hatte es "gute Beziehungen" mit der DDR. Das führte dazu, dass in der DDR kambodschanische Fachkräfte ausgebildet wurden. Ich erinnere mich, wie traurig er (ich weiß den Namen nicht mehr) über die Zerstörungen in der Tempelanlage war und wie stolz auf die alte kambodschanische Kultur.
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Man kann sich den ganzen Tag ärgern, ist aber nicht dazu verpflichtet. |
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St. Petersburg:
Unglaublich, wie sich diese Stadt in den letzten 6 Jahren entwickelt hat: Freundlicher und offener gibt sie sich, trotz der immer noch streng-muffig dreinblickenden Leute. eine leichte Arroganz hat sich eingeschlichen, etwas trotzig fast. Aber wunderschön ist sie. Allerdings mache ich mich wieder unbeliebt: Eine siffig suffig anmutende Vetreterin der Agentur, mit der wir früher zusammengearbeitet haben, hat sich heute uns vorgestellt. Sicher, sie macht ihren Job, aber irgendwie muss ich mich doch im Benehmen und in der Erscheinung dem Klientiel anpassen, dass ich bedienen möchte und von dem ich Geld nehme. So sehe ich das zumindest. Und in ihren Empfehlungen liegt sie leider auch immer haarscharf daneben. So muss ich also morgen das schwierige Gespräch führen, diese Agentur abzulehnen. Und habe heute innerhalb von einer Stunde eine neue recherchiert und getestet. Schwieirg wird das Gespräch, weil sie nicht verstehen werden, warum ich so entscheide - und wenn ich mich noch so ehrlich um Offenheit bemühe. Zu simpel die Gemüter, der Groll wird da sein, die Frustration wegen des verlorenen Deals. Manchmal wünsche ich mir, Hausfrau zu sein und "nur" einem Versorger dienen zu müssen. |
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Das sind nämlich genau die Gespräche, die ich an (fast) jedem Untersuchungstag auch führe. Wobei ich inzwischen gelernt habe, daß manchmal eine etwas weniger korrekte Erklärung der Ablehnung besser angenommen werden kann. |
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Ja, Du hast Recht. So habe ich das auch heute früh gesehen: Die Absage kam eher knapp mit nur einigen Details und aus der soeben erhaltenen Mail habe ich entnommen, dass sie damit genügend Spielraum hatte, vor sich selbst und vor ihrem Arbeitgeber das Gesicht zu wahren. Womit ich meine Ziele alle erreicht habe.
Ich stehe mittlerweile auf dem Standpunkt, dass ich die Leute nicht erziehen muss, wenn ich mit ihnen arbeite. Sie müssen nicht verstehen, was ich meine, wenn sie nicht wollen. Und ich suche mir einfach jemanden, mit dem ich "gut kann". |
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(Und gerade wenn die Kritik sich an Kleidung oder persönlichen Stil richtet, dann ist das ja fast unweigerlich sehr verletzend, weil es dem Betreffenden häufig genau so gefällt. )Wobei man damit dann oft mehr bewirkt, als mit einer ausführlichen aber ggf. auch verletzenderen Rückmeldung. Denn je weniger innere Abwehr die Kritik produziert, desto größer sind die Chancen, daß der Betreffende irgendwann selber mal reflektiert und vielleicht so gar zum gleichen Ergebnis kommt. Und dann sogar was ändert. Erziehen kann man Erwachsene eh nicht mehr und durch Predigten schon gar nicht. ![]() |
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Diese Nachricht wurde ohne Brille erstellt und ist daher auch mit Tippfehlern gültig. |
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Oh - ich bin da weniger altruistisch eingestellt. Zumindest nicht, wenn ich hier bin.
Meine Überlegungen gingen eher in die Richtung, wer könnte eventuelle Kontakte zu wem haben, der mir Ärger bereiten kann. Und den möchte ich hier unbedingt vermeiden*g Die Selbsterkenntnis der Betroffenen lag mir dabei zumindest vordergründig nicht so nahe:-) |
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Im beruflichen Umfeld ist mir das eigentlich immer bewußt, daß ich keine "verbrannte Erde" hinterlassen will, weil ich nie weiß, in welcher Position der andere mal landet. (Hm... privat eigentlich auch. Ich lege keinen Wert drauf, jemandem ohne Not eine reinzuwürgen.) Und wenn sich jemand von mir persönlich beleidigt fühlt kommt zumindest nichts gutes nach. Und wenn ich mit jemandem noch öfter Umgang haben muß, dann bin ich auch daran interessiert, Kritik so anzubringen, daß sie zumindest keinen Schaden anrichtet. Altruistisch ist das aber alles nicht. |
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Morgen geht es nach Siem Reap/Kambodscha. Außer unseren Visa und den Flügen habe ich allerdings noch nichts vorbereitet. Kam einfach nicht dazu.
Und hier regnet es ständig, ich kann keine Wäsche waschen, weil sie nicht trocknen würde. Jetzt hab ich den ganzen Krempel an die Wäschrei im Ort gegeben. Und wahrscheinlich hätte ich es bei den zu erwartenden Kosten dann auch alles noch mal kaufen können. Das Wohnwagenleben bringt deutlich Probleme mit sich... |
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Wir sind in einer Art Paradies gelandet. Allerdings eines, in dem es nur sehr beschraenkten Internetzugang fuer uns gibt. Vodaphone Websession geht schon mal garnicht.
Der einzig oeffenliche Anshluss befindet sich unter einem Palmblattdach. Was Einerseits aeussert romantisch ist, andererseits aber den User zu einer guten Aklimatisierung noetigt: Es ist Monsun-Zeit. Was bedeutet, dass die Vegetation ueppig und der Durchscnittseuropaer 24 Stunden am Tag total nass ist. Entweder vom Schwitzen, oder vom Regen. Die Kamdoschaner sind aeussert freundliche, leise, kleine und meist zierliche Menschen. Sie fahren meist mit einem Gefaehrt umher, bestehend aus einem Moped und einem kleinen Anhaenger, in dem die Fahrgaeste hocken und was sie hier "Touck Touck" nennen. Alles, die Menschen, die Kunst, die Speiseportionen - wirklich fast Alles wirkt hier sehr anmutig. Selbst die weissen Zeburinder vor den Haustueren. Seit gestern Nacht aber, da hat mich eine innere, grosse Unruhe ergriffen. Nicolas hatte von einem aelteren Mann, der ohne Beine sein Touck Touck durch die Strassen fuhr und aus dem Anhaenger, in dem normalerweise die Fahrgaeste sitzen, Buecher vekaufte, ein Buch erstanden: "Der lange Weg zur Hoffnung", von Loung Ung. Da ich schon gehort hatte, dass die meiste Literatur ueber die Zeit der Regierung Pol Pots extrem schaurig detailgetreu ist, haben wir vereinbart, dass ich das Buch als Erste lese. Unser Sohn war sofort einverstanden. Denn das Bisschen, was er gehoert hatte, in Verbindung mit doch einigen verstuemmelten Menschen hier, das hat ihn ohnehin sehr betroffen gemacht. Am Nachmittag liegen wir also am Pool, er mit den Tempelbuechern, ich in die Zeit von 1975 mit dem ersten Satz von Loung Ung hineinkatapultiert. Mehr als 3 Mio. Menschen, die verschleppt, gedehmuetigt, gefoltert und umgebracht werden - das ist eine schockierende Zahl. Aber es ist eine Zahl. Zu lesen, was fuer einen einzigen Menschen hinter dieser Zahl steht, in seine Erlebens-und Gefuehlswelt, bzw. immer weiter voranschreitende Gefuehlslosikeit gezogen zu werden, das ist eine wuergende Beklemmnis. Heute frueh um drei, ohne das Buch nur einmal aus der Hand zu legen, tragen mich die Bilder in eine schlaflose Restnacht. Die Beklemmungen, die die Schilderung eines willkuerlichen Gewaltregimes ausgeloest haben, lassen mich fast explodieren. Sie halten noch den ganzen Vormittag an und werden erneut genaehert beim Anblick der zerstoerten Buddhafiguren in Angkor Wat. Nur sehr muehsam kann ich den Wunsch vor meinem Sohn unterdruecken, ihn uebermorgen wieder mit nach Hause zu nehmen. Es liegen nur 30 Jahre seitdem zurueck. Reichen diese 30 Jahre, ein ganzes Volk, dessen Erwachsenengeneration diese schlimme Zeit als Kinder und Jugendliche ueberlebt haben, von dieser Erfahrung zu "neutralisieren"und ein ganz normales Leben weiterfuehren zu lassen? Die schoenen Bilder aus den vergangenen Tagen, die wir hier festgehalten haben, folgen. Wenn mein Laptop wieder einsatzfaehig ist... |
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Und ich dachte mir auch in Spanien, diese netten Leute (oder zumindest ihre Eltern) haben den spanischen Bürgerkrieg durchgeführt, in dem ein Menschenleben nichts galt? (Jetzt rein quantitativ waren das natürlich weniger Tote als im 2. Weltkrieg, aber irgendwie hat das für mich eine andere Qualität, ob man gegen einen anonymen ausländischen Feind kämpft oder seinen persönlich bekannten Nachbarn erschießt, weil der politisch anders denkt.)
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Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit. (Erasmus von Rotterdam)
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Stimmt einerseits.
Andererseits sind die Europäer nach 30 Jahren nicht mehr ganz so "Obrigkeitshörig" gewesen, die Khmer vom Wesen her doch wohl eher noch nicht ganz so selbständig in dieser Hinsicht. Auch war das Bildungswesen in Europa unterscheidet sich von dem in Kambodscha: hier herrscht zwar seit 30 Jahren Schulpflicht - jedoch nur für die ersten 4 Jahre. Nicolas habe ich vor 3 Tagen in Siem Reap zurückgelassen, wie geplant. Ich reg mich ja schnell auf, genauso schnell aber auch wieder ab*g Und ich versuche jetzt einfach mal ein paar schöne Bilder hochzuladen, bevor es morgen früh wieder um 05h zum Flughafen geht und dann endgültig nach Hause. |
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Ankunft in Siem Reap - es hat gerade erst geschüttet
Kambodscha 2010 008.jpg Wir machen uns trotzdem auf den Weg, unsere Umgebung zu erkunden... Kambodscha 2010 011.jpg ... und durch den Markt zu streifen Kambodscha 2010 016.jpg |
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Down Town Siem Reap - total verkabelt
Kambodscha 2010 014.jpg Unser sehr liebenswertes, kleines Hotel... Kambodscha 2010 106.jpg ... und unsere äußerst interessanten Mitbewohner: Kambodscha 2010 028.jpg |
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(Oh - falsches Bild hochgeladen - hier nun unser kleines, liebenswertes Hotel - doch etwas größer als der Buddah-Baldachin
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Samstag - wir fahren nach Angkor Wat. Irgendie hatte ich hier etwas falsch verstanden - was an den äußerst verwirrdenen Namen lag und auch an der Tatsache, dass ich den Reiseführer nicht gelesen habe. Und die Khmer eine ziemlich undeutliche englische Aussprache haben:
Angkor Wat ist nur ein Kloster in Angkor, der Tempelstadt. Und so standen wir denn auch lange vor dem Bayon Tempel und dachten, es sei Angkor Wat. Bis wir endlich den Reiseführer aus dem Rucksack gegraben haben. Und dabei erfuhren, dass wir durch das Südtor der Stadt in das riesige Areal hereingefahren sind: Kambodscha 2010 037.jpg Vor dem Tor ziehen die Dämonen.... Kambodscha 2010 040.jpg ... und die Heiligen an der der Schlange Naga: Kambodscha 2010 041.jpg Diesen Auftrag zum Kampf um das ewige Leben haben sie von Gott Shiva erhalten. Hier ziehen sozusagen alle an einem Strang. |
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Ich wollte so auch nicht unbedingt leben, Robert. Zumal diese Hütten extrem klein sind, nur einen Raum haben, in dem 5-8köpfige Familien schlafen, essen, leben - und durch den Bretterboden kann man den Fluss sehen. Aber sie hatten alle Internetanschluss und Fernseher...
... das gab es hier im Bayon Tempel der ehemaligen Herrscher Angkors nicht: Kambodscha 2010 044.jpg Dafür aber hervorragend erhaltene Reliefs... Kambodscha 2010 085.jpg ... und viele wunderschöne Apsaras (Tempeltänzerinnen): Kambodscha 2010 266.jpg |
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